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Die Kolonie - Ein Vorhaben zur Teilhabe

"Meine Frau Eva und ich hätten den Ort Worpswede immer gerne umbenannt – um ihn von den Vorstellungen zu befreien, was er angeblich sein soll. Aber das geht ja nicht." (Martin Kausche, Gründer der Künstlerhäuser Worpswede, 2006 und 91jährig, kurz vor seinem Tod)

Die Kolonie ist ein Vorhaben der Künstlerhäuser Worpswede, eine "Landnahme" am Rande des Teufelsmoors mit dem Angebot der Teilhabe. Sie bringt Künstler, Forscher, Handwerker und Aktivisten unterschiedlichster Disziplinen in den Worpsweder Martin Kausche - Ateliers zusammen. Die Kolonie kooperiert international mit Hochschulen und Kunstinstitutionen und versteht sich lokal als zeitgenössischer Impulsgeber für den Worpsweder Museumsverbund.

Als Spiegelbild ihrer Gesellschaft stehen die Institutionen des urbanen Kunstbetriebs heute in vielfacher Hinsicht vor strukturellen und inhaltlichen Umbrüchen. Die durchgesetzte Förderlogik in "Projekte" führt zu vereinzelten, evaluierbaren Bedeutungscontainern, bei denen Zusammenhänge, Kontexte und Transparenz von Heteronomien verloren gehen. Die kuratorischen Paradigma der letzten zehn Jahre, das Politische und das Kritische, drohen sich institutionalisiert zu Diskursschleifen zu degradieren, die eher bestehende Denk - und Handlungssysteme bestätigen, anstatt sie zu hinterfragen. Eine Folge ist, dass sich die Kunst und und ihre Anbindung an das Leben zunehmend in unendlich viele Möglichkeitsformen auflöst – unter Einbüßung ihrer eigentlich emanzipatorischen und verbindenden Potentiale.

Die Kolonie ist zuerst nur ein Konzept, nur ein belasteter Kontext – nur ein Name. Doch unter diesem machen wir uns nun auf die Suche und möchten einzelne Projekte zugunsten einer grossen Erzählung zusammenführen und neue Verbindungen hervorbringen. Die Kolonie fragt damit die Produzenten nach der Utopie ihrer freien Arbeit. Das Ziel der Kolonie ist es, eine Ganzheit untereinander verbindlicher Einzelheiten zu werden. Ihre Aktualität bildet sich in einer Dynamik zwischen den Ereignissen, sowie in einem Verhältnis zu ihren gesellschaftlichen und ökologischen Kontexten.

Die Kolonie möchte in der Aneignung des Begriffes eine Reterritorialisierung ihres Ortes behaupten. Sie möchte die Geschichte Worpswedes als Fraktal fortschreiben: Die Kolonie ist die Spekulation auf einen Ort, der irgendwann in mehreren verkleinerten Kopien seiner selbst besteht. Sie möchte so in einer Archäologie des Ortes den Eingang der Moderne nutzen, um dazu beizutragen den Ausgang aus der Postmoderne zu finden.