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KAREN RUSSO

 19/6 —22/10 2016 

Mobirise

Karen Russo, Haus Atlantis



Karen Russo interessiert sich für Momente in der Geschichte, in denen Mythologien und Relikte früherer Zeiten mit politischen Ideologien unheilvolle Verbindungen eingehen. In ihrem zentralen Kurzfilm Haus Atlantis verbindet sie historische Ansichten des gleichnamigen von Hoetger 1931 entworfenen Gebäudes in der Bremer Böttcherstraße mit aktuellen Aufnahmen des heute als Hotel betriebenen Hauses. Aufnahmen aus dem Teufelsmoor und aus der vor- und frühgeschichtlichen Sammlung des Bauherrn Ludwig Roselius sind zu sehen, die Russo zu einer Art archäologischer Science Fiction- Geschichte verwebt. In ihrer Zukunftsvision ist das Meer nach einer Natur-Katastrophe größtenteils ausgetrocknet. Die Überlebenden einer ehemaligen Küstenstadt werden von einer seltsamen Seekrankheit, der »Seesucht«, infiziert. Diese löst Realitätsverlust und den Glauben aus, ehemalige Bewohner der sagenumwobenen Insel Atlantis zu sein. Russo lässt Bild und Text immer wieder punktuelle Verbindungen eingehen. Sie verdeutlicht, wie sich über die Zeit subjektive Kontexte Einzelner durch eine »historisierende Piraterie« mit Geschichte verbinden können. Karen Russo begibt sich auch selbst in die Rolle einer utopischen Weltenbauerin. Inspiriert von Hoetgers expressionistischen Werken und Anton Kutters Film Germanen gegen Pharaonen (1939) – in dem selbsternannte Historiker die Möglichkeit diskutieren, ob die ägyptischen Pyramiden germanischen Ursprungs seien – bietet sie neue Kontexte durch ein unerwartetes Nebeneinander der Bilder. So zeichnet sie etwa Hoetgers Niedersachsenstein in eine Wüstenlandschaft oder führt uns in einer 16mm-Kamerafahrt durch ein nachgebautes Modell von Hoetgers nie realisierter TET-Stadt, die sie immer wieder mit den Modellentwürfen der Pharaonenstädte aus Kutters fiktiver Dokumentation überblendet.

Aus Karen Russos Werk spricht ein Grundmisstrauen gegen jegliche Ideologie, Utopie und jeden Glauben an eine Auserwähltheit. Ihre Arbeit untersucht, wie sich aus einem kollektiven Gedächtnis eine Geschichtsschreibung bilden kann und aus welcher Motivation heraus dies geschieht. Russo bezieht sich damit indirekt auch auf Gründungsmythen ihrer Heimat Israel, wie z.B. den immer wieder aufflammenden Konflikt um den Tempelberg in Jerusalem. Ihre Arbeit mahnt, wenn auch spielerisch, vor jeder Verbindung von Mystik und Politik. Im Zusammenhang dieser Ausstellung beleuchtet sie kritisch die Hinterlassenschaften der expressionistischen Bewegung der 1920er und 1930er Jahre.

Dieser Ausstellungsbeitrag ist nach vielen Jahren eine erste Kooperation der Worpsweder Museen mit den Künstlerhäusern Worpswede, die sich nach dem Wegfall der internationalen Stipendien seit 2012 programmatisch neu aufgestellt haben. Neben den Stipendiaten des Landes Niedersachsen für Literatur, Musik und bildende Kunst verbringen heute auch zunehmend Einzelkünstler, Künstlergruppen und Akademieklassen projektbasierte Aufenthalte in den Martin Kausche-Ateliers vor den Pferdeweiden. So auch Karen Russo. Über drei Jahre wirkten die Künstlerhäuser in der kuratorischen Begleitung und unterstützten die Künstlerin erfolgreich bei der internationalen Produktion des Filmes Haus Atlantis sowie dieser Ausstellung. Die Künstlerhäuser Worpswede möchten mit diesem sowie mit folgenden Projekten wichtige zeitgenössische Impulse setzen und Worpswede auch als Ort der aktuellen Kunstproduktion stärken.


Karen Russo is interested in moments in history when the mythologies and artifacts of earlier times are fused with political ideologies to dangerous effect. In her short film Haus Atlantis, she juxtaposes the historical agenda of the building of the same name, designed by Hoetger in 1931 for the Böttcherstraße in Bremen, with modern-day images of the building, which is now a hotel. There are also images of the Teufelsmoor and the collection of prehistoric and ancient artifacts belonging to the art patron Ludwig Roselius, which Russo weaves into a sort of archaeological sci-fi story. In her vision of the future, a natural disaster has caused the oceans to dry up, and the survivors of a former coastal city suffer from a strange “seasickness” that causes them to lose touch with reality and come to believe that they once lived in Atlantis. Russo forms synchronous connections between the images and the text, showing how, over time, contexts can be subjectively imposed on history through a kind of historicising piracy. Russo also places herself in the role of utopian world creator. Inspired by Hoetger’s Expressionist work and Anton Kutter’s 1939 film Germanen gegen Pharaonen (Germans versus Pharaohs)—in which self-styled historians discuss the possibility that the Egyptian pyramids were of Germanic origin—she recontextualises this material through the unexpected juxtaposition of images. She depicts Hoetger’s Niedersachsenstein in a desert landscape or takes us on a 16mm film-tour of a recreated model of Hoetger’s never-realized TET-City, which she interweaves with images of the pharaonic cities from Kutter’s fictional documentation.

Karen Russo’s work expresses a fundamental skepticism regarding ideology, utopian visions, and any belief in being a chosen people. Her work examines how history is written from collective memory and what motivations are thereby implicated. Russo refers indirectly to the foundational myths of her homeland, Israel, such as the continuing conflicts over the Temple Mount in Jerusalem. Her work serves as a warning, albeit a playful one, against the conjoining of mysticism and politics. This exhibition offers a critical examination of the legacy of the Expressionist movement of the 1920s and 1930s.

This exhibition is the first collaboration in many years between the Großen Kunstschau and the Künstlerhäusern Worpswede, the latter of which have developed a new functional capacity after the end of the international stipendiary program in 2012. Along with recipients of stipends for literature, music, and art sponsored by the state of Lower Saxony, artist groups and art-school classes now make project-based visits to the Martin-Kausche Studios vor den Pferdeweiden. Karen Russo has also done so. Over three years the Künstlerhäuser have provided curatorial guidance and support for the artist during the international production of the film Haus Atlantis, just as with this exhibition. With this and future projects, the Künstlerhäuser Worspwede aim to bring important contemporary issues and themes into Worspwede and its museums, as well as to strengthen Worspwede’s reputation as a site of contemporary art production.

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